Herbstschule zum Klassenrat

Der Klassenrat ist die Basis der Demokratie und der Partizipation an der Schule. Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Rheinland-Pfalz legt daher seit dem Jahr 2008 einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf das Thema. Deshalb fand vom 26. bis 28. September 2008 eine Herbstschule zum Klassenrat in Ingelheim statt. Sie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik in Kooperation mit der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ und dem SV-Bildungswerk veranstaltet. Die Tagung bot den über 40 teilnehmenden Multiplikatoren aus Schulen, Universitäten und Unterstützungsstrukuren die Möglichkeit, sich auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten zur Stärkung des Klassenrats zu planen.

Teilnehmer der HerbstschuleDie heterogene Teilnehmerzusammensetzung - es waren Schüler/innen, Lehrer/innen, Schulleiter/innen, Fortbildner/innen, SV-Berater/innen und Vertreter/innen eines Studienseminars und eines Bezirksschulamtes aus acht Bundesländern anwesend - ermöglichte es, den Klassenrat und die Unterstützung seiner Einführung aus allen relevanten Perspektiven zu beleuchten. So konnten die Teilnehmer gemeinsam an dem Ziel arbeiten, Konzepte und Strategien zur Stärkung des Klassenrats zu entwickeln.

Den Ausgangspunkt für die weitere Arbeit bildete ein Impulsreferat von Sonja Student (Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Rheinland-Pfalz), in dem sie vorstelle, wieso der Klassenrat der Grundbaustein für Partizipation an Schulen ist. Darauf aufbauend tauschten sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen mit dem Klassenrat und ihren unterschiedlichen Perspektiven aus. Als Einstieg in die Konzeption von Weiterbildungen zum Klassenrat sammelten sie, welche Bausteine aus vorhandenen Programmen zum Kompetenztraining auch für Klassenratsfortbildungen geeignet sind.

Für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler bot sich die Gelegenheit, das gehörte Impulsreferat zu reflektieren und sich über den Klassenrat auszutauschen. „An unserer Schule haben wir das Projekt ‚Zeit für uns‘ im letzten Schuljahr eingeführt“, berichtet Ann-Sophie Winter aus Bayern. „Wir haben als ersten Schritt Schülerinnen und Schüler qualifiziert, den Klassenrat in ihrer Klasse anzuleiten und zu moderieren. Bei uns bleiben diese Schülerinnen und Schüler für die Dauer eines Schuljahrs die Leiter der Klassenratssitzungen. Bei der Zwischenauswertung haben wir festgestellt, dass diese Schüler auch im Verlauf des Schuljahres mehr Gelegenheiten zu gemeinsamen Treffen benötigen, um gemeinsam Lösungsansätze für Probleme, die sie in der Leitung des Klassenrats haben, zu entwickeln. Außerdem werden wir in der nächsten Ausbildung auf einen noch stärkeren Praxisbezug Wert legen.“

In einem Vortrag regte Birger Hartnuss (Staatskanzlei Rheinland-Pfalz) zum Abschluss des Tages die Zuhörer an, den Klassenrat auch zu nutzen, die Zusammenarbeit von Schulen mit dem Gemeinwesen und das bürgerschaftliche Engagement zu fördern.

Am Samstag wurden in vier Workshops Kompetenztrainings für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeboten, in denen sie das notwendige Know-how zur Unterstützung der Einführung von Klassenräten auffrischen konnten. Für die Schülerinnen und Schüler bot Vincent Steinl (SV-Bildungswerk) ein Training zu Kommunikations-, Präsentations- und Moderationstechniken an. Außerdem hatten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, auf Grundlage ihrer Erfahrungen entscheidende Aspekte, Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen bei der Einführung des Klassenrates auszuarbeiten. Die anderen Teilnehmer konnten wählen zwischen einer Einführung in „Bausteine zur Förderung sozialen Lernens in der Grundschule“, die von Werner Lang (Grundschulverband Rheinland-Pfalz) und Julia Koch (MBWJK) angeboten wurde, einem Training zu Grundlagen der Kommunikation von Mirjam Hübner und einem Workshop zur Konfliktbearbeitung und Gewaltprävention von Stefan Werner.

Angelika Fabricius bei der HerbstschuleAm Samstagnachmittag arbeiteten die Teilnehmer, unterstützt von der Moderatorin Angelika Fabricius (DeGeDe), Konzepte für Fortbildungen zum Klassenrat aus. Dabei entstanden Planungen für einen Studientag, für gemeinsame Fortbildungen von Lehrkräften und Schülern und für einen Hospitationstag an einer Schule, die bereits mit dem Klassenrat arbeitet. Überlegungen zur Gewinnung von Schulen, die den Klassenrat einführen möchten, und zur Auftragsklärung, um eine erfolgreiche Fortbildung zu ermöglichen, sowie eine Klärung der eigenen Rolle als Berater oder Fortbildner rundeten diesen Programmpunkt ab.
In einem Impulsreferat zur Bedeutung des Klassenrats für die demokratische Schulentwicklung zeigte Angelika Fabricius noch einmal deutlich, wie wichtig und erfolgsversprechend eine Unterstützung und Stärkung von Klassenräten ist. Dabei ging sie auf den Klassenrat im Kontext der Schulentwicklung ein und hob die Bedeutung der klaren Einbindung in diesen Kontext hervor.

Zum Abschluss trafen sich die Teilnehmer in Ländergruppen, um Verabredungen für die weitere Zusammenarbeit zu treffen.

Insgesamt bot die Herbstschule zum Klassenrat allen Teilnehmern eine hervorragende Möglichkeit, sich selbst weiterzubilden und Kontakte zu anderen Expertinnen und Experten zu knüpfen. So motivierte sie die Teilnehmer, in Zukunft noch stärker für die Einführung von Klassenräten zu kämpfen, und ihr Engagement fortzusetzen.

Eine Folgeveranstaltung für das nächste Jahr wird bereits geplant.